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| Nachfolgender Aufsatz erschien in der Zeitschrift "Der Straßenbau", Jg. 24/Nr. 10 (1933) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Der Wettbewerb für die Kraftwagenbahn Leipzig-Halle (LeHa) |
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Von Dr.-Ing. Hans Lübke|
| Zur Erlangung von Vorentwürfen für eine Kraftwagenstraße zwischen den beiden Städten Leipzig und Halle im mitteldeutschen Industriebezirk hatte die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Kraftwagenbahn Leipzig—Halle ("Leha") einen Wettbewerb unter reichsdeutschen Architekten und Ingenieuren zum 1. Februar 1933 ausgeschrieben. Aufgabe des Wettbewerbs war es, für die Planung der Kraftwagenbahn Vorschläge zu erhalten, welche sowohl in verkehrstechnischer wie in straßenbautechnischer Hinsicht allen an den neuzeitlichen Automobil-Straßenbau zu stellenden Ansprüchen gerecht werden. Erhöhte Anforderungen an die Wettbewerbsteilnehmer waren insofern gestellt, als neben diesen Aufgaben und den geforderten eingehenden Kostenermittlungen gleichzeitig die Untersuchungen über die zweckmäßigste Einführung der Kraftwagenstraße in die beiden Städte Leipzig und Halle und der Anschluß der Kraftwagenbahn auf den etwa in mittlerer Strecke gelegenen Flughafen Halle-Leipzig in Schkeuditz in städtebaulicher Hinsicht sowie die Berücksichtigung der Bergbauverhältnisse und der Belange der Landesplanung in mannigfaltigster Art den Aufgabenkreis erweiterten. Es ist für den Auslober und die Preisträger des
Wettbewerbs um so erfreulicher, feststellen zu können, daß dem Wettbewerb
trotz der in manchen Punkten nicht ganz vollkommenen Unterlagen ein voller
Erfolg beschieden war. Nach den durch den Bau der Kraftwagenstraße Köln—Bonn
und durch die Ausführung der oberitalienischen Autostraßen vorliegenden
eingehenden Erfahrungen auf dem Gebiete des neuzeitlichen
Automobilstraßenbaues konnten von dem Wettbewerb bedeutungsvolle Anregungen
für die Planung einer neuen Schnellverkehrsstraße zunächst nicht erwartet
werden. Auch die Ausschreibung des Wettbewerbs zu einer Zeit, in der die
Verwirklichung einer Reinautostraße bei dem gegenwärtigen geringen
Verkehrsbedürfnis und bei der kaum zu findenden Finanzierungsmöglichkeit auf
große Schwierigkeiten stößt, ließ ein wertvolles Ergebnis des Wettbewerbs
eigentlich nicht erhoffen. Es ist daher ein besonderes Verdienst für den
Wettbewerb und die Arbeit der Wettbewerbsteilnehmer, daß trotz dieser an
sich wenig günstigen Voraussetzungen das Ergebnis ein überaus günstiges war.
Die Untersuchungen über die Linienführung und die Wirtschaftlichkeit der
Straße, wie auch die allgemeinen Grundfragen straßenbaulicher Art, die
Querschnitts- und Längsschnittsgestaltung der Straße, die
Fahrbahnbefestigung, die Entwässerung und ganz besonders die Fragen der
Nachtbeleuchtung und des Blendschutzes sind von den Wettbewerbsteilnehmern
unter so bedeutungsvollen Gesichtspunkten erörtert worden, daß der Wettbewerb
über seinen eigentlichen Aufgabenkreis hinaus umfangreichere Bedeutung für
den Straßenbau erhält. Das Preisgericht unter dem Vorsitz von Herrn
Ministerialrat Dr. Speck, Dresden, mit den Herren Provinzialbaurat Fehlemann,
Düsseldorf, Stadtbaurat Professor Dr.-Ing. Heilmann, Halle a. S.,
Fabrikbesitzer Kupka, Schkeuditz, Stadtrat Dr. Leiske, Leipzig, Architekt
Liebig, Leipzig, Oberregierungs- und Baurat Lindemann, Merseburg, Oberbaurat
Professor Dr. Mackowsky, Leipzig, Stadtbaurat Dr. Wolf, Leipzig, trat am 1.
März zur Wettbewerbsentscheidung zusammen. Das Ergebnis des Wettbewerbs ist
in Nr. 6 des "Straßenbau" bereits veröffentlicht worden. Ohne hierauf
nochmals einzugehen, soll im folgenden in erster Linie auf die
hauptsächlichsten Lösungen und die wesentlichsten Gesichtspunkte der
einzelnen Entwürfe, insbesondere der preisgekrönten, hingewiesen werden. Die
Bewertung der eingegangenen Entwürfe durch das Preisgericht nach den
Gesichtspunkten:
| Die im 4. Wahlgang für die drei ausgesetzten Preise bestimmten Entwürfe "Sechs Kreise", "Bindeglied" und "Blitz" weichen hinsichtlich der Hauptführung der Kraftwagenstraße und hinsichtlich der Höhe der Kosten nur wenig voneinander ab. In der Art der Durcharbeitung des Problems der Kraftwagenstraße und in der äußeren Gestaltung unterscheiden sie sich jedoch z. T. wesentlich. Der Entwurf "Sechs Kreise" ist der nach allen Richtungen hin am sorgfältigsten durchgearbeitete; er fällt insbesondere durch eine ins einzelne gehende Massenermittlung auf. Der Entwurf "Bindeglied" zeigt besonders beachtenswerte Vorschläge für die Beleuchtung. Beide Entwürfe betonen in ihren Lösungen in erster Linie die verkehrstechnisch-straßenbauliche Gestaltung. Demgegenüber liegen die Hauptvorzüge des Entwurfs "Blitz" in der Hervorhebung der städtebaulich-verkehrstechnischen Gesichtspunkte und in der Gegenüberstellung eingehender Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen für verschiedene Linienführungen. Während der Entwurf "Sechs Kreise" versucht, baureife Ausführungszeichnungen zu geben, betonen die Entwürfe "Bindeglied" und "Blitz" die Grundgedanken eines Ideenwettbewerbs. Hinsichtlich der Linienführung im Grundriß decken sich die preisgekrönten Entwürfe in ihren Lösungen fast vollständig. Die Einführung der Kraftwagenbahn in Leipzig erfolgt in der Nähe von Lindenthal. ![]()
| Sie schließt hier an die zum Hauptbahnhof und in das Stadtzentrum führende vorhandene Hauptverkehrsstraße an und stellt über die geplante Nordumgehung der Stadt Leipzig die Verbindung mit der Kraftwagenstraße Berlin—München her. In Halle ist der Anschluß an das Ortsstraßennetz in der Nähe von Büschdorf an die Delitzscherstraße in Aussicht genommen, und damit die Eingliederung des Verkehrs in das Fern- und Umgehungsstraßennetz, insbesondere die Verbindung mit der Umgehungsstraße Berlin—Thüringen und den Durchgangsstraßen Halle—Nordhausen—Kassel, Halle—Magdeburg und Halle—Köthen ebenfalls berücksichtigt. Die "Leha"-Kraftwagenstraße führt von Halle südöstlich abbiegend und alle Ortschaften möglichst meidend in gestrecktem Zuge nach Schkeuditz, wo sie, das Rollfeld des Flughafens nördlich tangierend, den Anschluß an die alte Salzstraße findet und dieser weiter nach Leipzig folgt. (Vgl die Abb. 1, 2 u. 3.)
| Ueber diese Hauptlinienführung hinaus untersucht der Entwurf "Blitz" noch andere Möglichkeiten der Linienführung, die sich in erster Linie aus den Anforderungen des Bergbaues, aus den verschiedenen Anschlußmöglichkeiten des Flugplatzes Halle-Leipzig und schließlich aus dem Grundgedanken heraus ergeben, die Straße in Verbindung mit der Eisenbahn Halle—Leipzig zu bringen, um so Flurzerschneidungen und Zerschneidungen der verschiedenen Mutungsgebiete des Bergbaues zu vermeiden. Der Entwurf kommt hierbei zu dem interessanten Ergebnis, daß die Gesamtkosten für die verschiedenen Lösungen in den Grenzfällen nur um etwa 6 % voneinander abweichen, obwohl die Einzelkosten für die verschiedenen Arbeiten in erheblich größerem Umfange divergieren. (Vgl. Abb. 4.) Unabhängig von der Kostenfrage kennzeichnen die maßgebenden verkehrstechnischen, straßenbaulichen, bergbaulichen und landesplanungstechnischen Gesichtspunkte die auch in den Entwürfen "Sechs Kreise" und "Bindeglied" ermittelte Linienführung als die günstigste. Von den in engerer Wahl befindlichen Entwürfen wäre noch zu erwähnen der Gedanke von "Leha" querfeldein oder durch das Elstertal", welcher eine grundsätzlich abweichende Führung der Straße durch die Elsteraue zur Kritik stellt. Die Kosten dieser Straßen sind allerdings höher, und ihre Ausführungsmöglichkeit ist insofern in Frage gestellt, als sie örtlich insbesondere in Leipzig auf Schwierigkeiten stößt und die Regulierung der Elster z u Voraussetzung haben würde. Der Entwurf "Nicht einschlafen" ist fahrpsychologisch besonders interessant, weil er durch Verzicht auf lange gerade Strecken und durch häufigeres Einschalten von Kurven eine gewisse Eintönigkeit in der Linienführung zu vermeiden sucht. Die Gestaltung der Kraftwagenbahn im Längsschnitt erfolgt nach den im neuzeitlichen Automobilstraßenbau anerkannten Grundsätzen unter Einschaltung von Zwischengeraden und Ausrundungshalbmessern von etwa 3000 bis 5000 m Radius sowie unter Einhaltung normaler Sichtweiten von i. M. 400 m. Zu erwähnen ist noch, daß bei der Linienführung der "Leha" die Voraussetzungen für die Einhaltung günstiger Steigungsverhältnisse im Vergleich zu den in der letzten Zeit ausgeführten Kraftwagenstraßen bei richtiger Trassierung sehr günstig sind. Die größte Steigung im Gelände beträgt etwa 1 : 100 und läßt sich selbst bei nur geringem Massenausgleich auf Werte von 1 : 300 bis 1 : 500 bringen. Die angesetzten Krümmungshalbmesser liegen zwischen 1500 und 5000 m. Auch hier ergeben sich für die "Leha" vorteilhaftere Bedingungen als beispielsweise für die Automobilstraße Köln—Bonn.
| Diese günstige Linienführungsmöglichkeit für die Kraftwagenstraße bietet den Vorteil, eine einwandfreie Verkehrsstraße auch ohne nennenswerte Erdmassenbewegungen herstellen zu können. Die Frage des Massenausgleichs ist m. E. demgegenüber in vielen Entwürfen überschätzt worden. Da für den Massenausgleich — auf weite Strecken hin — keine zwingenden Gründe zur Erzielung günstiger Steigungsverhältnisse oder andere technische Notwendigkeiten vorliegen, so können nur die Gründe der Wirtschaftlichkeit eine besondere Rolle spielen. Es ist daher unverständlich, daß in verschiedenen Fällen einer Einschnitts- bzw. Auftragsführung der Kraftwagenstraße auf verschiedene Kilometer hin der Vorzug gegeben worden ist, anstatt die kreuzungsfreie Ueberquerung der vorhandenen Straßen und Feldwege in der Form zu lösen, daß nicht die Kraftwagenstraße, sondern die Wege untergeordneter Bedeutung eine Verlegung erfahren. Die Unterführung vorhandener Wege mag wegen des zum Teil vorhandenen Geschiebemergels und wegen der zum Teil schwierigen Entwässerungsverhältnisse nicht immer möglich sein, die Ueberführung der Wege mag aus Gründen der Verkehrsübersicht abgelehnt werden, trotzdem können diese Maßnahmen der erheblich größeren Wirtschaftlichkeit wegen nicht zugunsten einer ständigen Auftrags- oder Einschnittführung übergangen werden. Bei der für die "Leha" auf l km Straße entfallenden Bauwerksanteil ergibt sich bei der Ueber- und Unterführung der Nebenstraßen an Stelle der anderen Lösung eine etwa 15- bis 20-fache Ersparnis für die Erdmassenförderung. Die Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte ist bei der weiteren Prüfung der Entwürfe für die praktische, wirtschaftlich-technische Brauchbarkeit unerläßlich.
| Der Anschluß an den Flughafen Halle-Leipzig in Schkeuditz ist bei fast allen Entwürfen in kreuzungsfreier Form durchgeführt. Hierbei mußte besonderer "Wert darauf gelegt werden, daß die Zahl der Kontroll- bzw. Fahrgelderhebestellen gering gehalten wurde. Ein Kreuzungsbauwerk, wie es der Entwurf "Sechs Kreise" mit vier Rampen vorsieht, schaltet trotz seiner verkehrstechnischen Vorzüge aus diesen Gründen aus. Bemerkenswert ist in dieser Hinsicht der Vorschlag des Entwurfs "Bindeglied", welcher durch ein Bauwerk mit drei Rampen nebst Geschwindigkeitsausgleichsbahn den günstigsten Anschluß an die Zufahrtstraße zum Flughafen findet, wobei allerdings Fahrspurüberschneidungen auf dieser Straße nicht vermieden werden; ebenso der Vorschlag des Entwurfs "Blitz", welcher, noch weiter gehend, diesen Nachteil durch Kombination des Rampenbauwerks mit einem Verteilerkreis vermeidet. Für den Anschluß der Schnellverkehrsstraße an das örtliche Straßennetz in Leipzig und Halle werden in den Entwürfen sowohl Rampenbauwerke als kreuzungsfreie Lösungen wie auch Verteilerkreise als Kreuzungslösungen in Vorschlag gebracht. Beim Entwurf "Blitz" fällt die theoretische Art der Lösung dieser Einzelfragen besonders ins Auge. Hinsichtlich der Beleuchtung macht der Vorschlag "Bindeglied" besonders beachtenswerte Vorschläge durch Anordnung blendungsfreier Lichtquellen in der Mitte der Fahrbahn in etwa 100 m Abstand. Der Entwurf "Sechs Kreise" sieht die Beleuchtung der Fahrbahn durch ortsfeste Scheinwerfer vor, ebenso der Entwurf "Hermes Agetor". Der Entwurf "Blitz" verzichtet aus Sparsamkeitsgründen zunächst auf eine Beleuchtung. Die Kosten der Straße schwanken bei den in engerer Wahl befindlichen Entwürfen zwischen 6,6 und 12 Millionen RM. Nach den eingehenden rechnerischen und graphischen Ermittlungen der drei preisgekrönten Entwürfe, insbesondere der Entwürfe "Sechs Kreise" und "Blitz" betragen die Gesamtkosten bei "Sechs Kreise" 7,8 Mill. RM., bei "Bindeglied" 7,3 Mill. RM und bei "Blitz" 7,5 Mill. RM (für die verschiedenen Entwürfe zwischen 7,5 Mill. RM und 8 Mill. RM schwankend). Die Kosten je Kilometer Straße belaufen sich demnach auf etwa 300000 RM. Die Straße Köln—Bonn kostet demgegenüber je Kilometer 430 000 RM. Die Querschnittsgestaltung ist bei den meisten Entwürfen in der Form gelöst, daß für jede Fahrtrichtung zwei Fahrstreifen von je 3 m Breite und zwei seitliche Bankette von je 3,50 bis 2,50 m Breite vorgesehen werden. Für die Abgrenzung der Straße sind seitliche Einfassungen durch Gräben und Hecken bzw. durch Randbegrenzungssteine in Aussicht genommen. Die Trennung der Richtungsfahrbahn erfolgt in der Mehrzahl der Fälle durch Strichmarkierung. Die Zusammenstellung zeigt in interessanter Form die verschiedenen Ansichten über die neuzeitlichen Befestigungsarten einer Schnellverkehrsstraße. Sie verdient insbesondere deswegen Beachtung, weil gerade die Behandlung dieser Fragen im Rahmen eines Wettbewerbes in straßenbautechnischer Hinsicht objektiv zu den günstigsten Ergebnissen führen muß, während sie sonst leicht ungünstig durch die eine oder andere Interessentengruppe beeinflußt werden. Ueber die vorgesehene Befestigung gibt
am besten die folgende Zusammenstellung der preisgekrönten und in
engerer Wahl befindlichen Entwürfe Auskunft: |
| An die Verwirklichung der Kraftwagenstraße Leipzig—Halle wird in absehbarer Zeit noch nicht gedacht werden können; es ist Jedoch das Verdienst des Wettbewerbs sowohl in den örtlichen Fragen wie auch in den allgemeinen Fragen des Baues von Schnellverkehrsstraßen neue Klarheit geschafft zu haben. Wertvolle Vorarbeiten für die Leha-Kraftwagenstraße sind damit geleistet. Im Interesse des Verkehrs zwischen Leipzig und Halle wäre es erwünscht, wenn die Bestrebungen der Förderung des Baues einer Schnellverkehrsstraße in der Oeffentlichkeit und in den maßgebenden Verkehrskreisen auch weiterhin die erforderliche Beachtung finden. Daneben wird jedoch für die heutige und nächste Zeit eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse auf der vorhandenen Provinzialstraße unerläßlich sein. Durch Umgehung der Orte Bruckdorf und Gröbers und durch Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in Schkeuditz ließen sich die nötigsten Maßnahmen neben den bereits erfolgten Verbesserungen der Straßenkurven unabhängig von dem Projekt der "Leha", vielleicht sogar im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms, leicht ermöglichen. |
| zuletzt geändert: 03.06.2006
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