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1959 war ich in Japan, in Obaku-san in der Nähe von Kyoto,
im Kloster "Manpuku-ji", dem "Tempel der Zehn-Tausend
Glückseligkeiten".
Das war vor siebenunddreißig Jahren. Ich bin jetzt fünfundsiebzig,
ein dreiviertel Jahrhundert. Und es ist wahr, daß ich über
den zurückgelegten Weg staune. Das Zen, die Erinnerung an
meinen Meister und das Nyoibo, das er mir übertragen hat,
haben mich auf dieser ganzen Reise des Lebens begleitet, ein langer
Weg im alten Wald der Zeit, geleitet von einer Intuition und einer
Weisheit, die sich immer als von der Vorsehung bestimmt erwiesen.
Für mich ist der Augenblick gekommen, diesen Stab und all
das, was damit verbunden ist, mit all den Kräften und all
den vergessenen Erinnerungen von jenen, die ihn einmal in den
Händen gehalten haben, wiederum weiterzugeben.
Bei den Staffelläufen im Rahmen der Olympischen Spiele wird
im Laufe des Wettkampfes ebenfalls ein Stab weitergereicht und
immer demjenigen, der im gegebenen Augenblick der Würdigste
dafür ist. Manchmal kommt es jedoch vor, daß die Übergabe
schlecht abläuft, daß der Stab zu Boden fällt,
und dann ist alles verloren.
Ich weiß, das dieser Stab nicht fallen wird. Als ich vor
einigen Jahren Karl Obermayer kennengelernt habe, habe ich sofort
verstanden, daß niemand besser als er diesem Zengeist, den
mir mein Zenmeister weitergegeben hatte, entsprach. Erinnern wir
uns: "Sie dürfen uns nicht nachahmen... Zen muß
in Europa europäisch sein... Sie müssen es immer wieder
neu erschaffen, ohne Kompliziertheit, ohne unnütze Zeremonien...."
Es ist also ohne eine Zeremonie, daß ich Ihnen, lieber Karl,
heute diesen Nyoibo übertrage, und ich weiß, daß
er in guten Händen ist, und ich weiß, daß ich
auf diese Weise immer an Ihrer Seite sein werde. Und Danke Ihnen
allen für diese Freundschaft, die Sie mir in so großzügiger
Weise geschenkt haben.
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