| Das japanische Wort Sesshin, das wir mit Einkehr übersetzen
können und mit dem wir gewöhnlich diese mehr oder weniger
langen Zeitabschnitte bezeichnen, in denen wir zu einer intensiveren
Praxis des Zazen zusammenkommen, wird auf Japanisch mit zwei chinesischen
Zeichen geschrieben, zwei Kanjis. Das erste bedeutet "vertraut
sein mit..."und das zweite "die Seele, der Geist, das
Herz...". "Sesshin", das ist "mit seiner Seele
vertraut sein". Es ist also ein gutes Mittel, um sich selbst
zu erkennen. Und oft beginnen auch durch diese beharrliche Auseinandersetzung
mit uns selbst die Schwierigkeiten. Wir müssen nämlich
zuerst verstehen, daß es nicht darum geht, dieses überreizte,
überschätzte Ego zu erkennen, das Ursprung von Konflikten,
Kriegen, Völkermorden, Katastrophen ist, mit dem sich manche
Menschen identifizieren, dem sie, zu seinem Unglück, ihre Umgebung
und manchmal die ganze Welt unterwerfen wollen. Dogen, ein Zeitgenosse
von Meister Eckhart, hat gesagt: "Zen praktizieren ist sich
selbst erkennen. Sich selbst erkennen ist sich selbst vergessen.
Sich selbst vergessen ist mit dem Universum eins sein." Das
ist der Sinn des Sesshin.
In dieser Rückkehr zu den Ursprüngen unseres wahren
Wesens ist also zunächst viel Arbeit zur Identifikation zu
leisten. Wer sind wir ? Ewige Frage, auf die wir absolut antworten
müssen, wenn wir auf dem Weg weiterkommen wollen. Dogen sagt,
man muß sich zuerst selbst vergessen, was uns betrifft,
müssen wir all unsere Vorurteile, Voreingenommenheiten, Illusionen
begraben. In den künstlichen Urteilen, die wir über
uns selbst fällen, die sich von Tag zu Tag ändern können,
gibt es in jede Richtung Übertreibungen. Bald sind wir beim
geringsten Scheitern unserer Vorhaben von einem wilden und ungerechten
Tadel gegen uns selbst und unsere Nächsten ergriffen, bald
flechten wir, beim geringsten Erfolg, Siegeskronen um unsere Stirn.
Wir leben nur in Abhängigkeit von unseren persönlichen
Erfolgen und Mißerfolgen.
Aber um zu leben kann man sich nicht damit begnügen, über
Erfolge und Mißerfolge Buch zu führen, wie in einer
Unternehmungsführung. Es geht nicht darum, ein Rechnungsbuch
zu führen und am Ende des Jahres Bilanz zu ziehen. Es ist
gleichzeitig viel komplizierter und viel einfacher. Es geht zunächst
darum zu wissen, um wen es geht, was der Gegenstand dieses großen
Abenteuers ist, in das wir vollkommen involviert sind. Bevor wir
uns auf den Weg einlassen, müssen wir in einer ersten Zeit
unsere wahre Natur entdecken. Sonst sind wir dazu verurteilt,
eine Art Fantom, das wir für uns selbst halten, auf aussichtslose
Wege zu führen!
Das ist die erste und schwierige Aufgabe, die wir mit Geduld,
Entschlossenheit, Beharrlichkeit und Ausdauer zu bewältigen
haben. Haben wir keine Illusionen über uns selbst. Entledigen
wir uns aller Schnörkel, aller Künstlichkeiten, die
unser wahres Selbst verbergen. Und finden wir die reine Quelle
unseres Geborenwerdens in diese Welt wieder, in der wir reichlich
schöpfen können, um die nötige Kraft zu finden,
die schwierige Reise zur Verwirklichung unserer Einheit fortzuführen.
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